C. • März 14, 2021

Heimat



Heimat. Meine Heimat. Mein Zuhause . Mein Wohlfühlen. Wohlfühlen. Ankommen. Sicherheit. Gewohntes und Vertrautes. Der Ort wo ich hingehöre.
Wenn ich an Heimat denke , denke ich an einen kleinen Ort, ein Dorf inmitten von Feldern, Wiesen und von Bergen umgeben.
 
Wenn ich die Augen schließe kann ich es fühlen.
Riechst du den Duft von frisch gemähtem Gras? 
Kannst du förmlich hören wie der Tau die Halme herab läuft und langsam in die Erde sickert? 
Hörst du die Vögel , wie sie sich vom Wind tragen lassen? 
 
 
Ich sehe aus dem Fenster und höre wie sich die Menschen einen „Guten Morgen“ wünschen. Alle tragen ein Lächeln in ihrem Gesicht und ich weiß, dass das heute ein guter Tag wird. Die Kirchturmglocke schläft 8 Uhr morgens und ich freue mich über diesen kurzen „Disney-Moment“. 
Leider helfen mir die Vögel nicht auf wundersame Weise beim Anziehen, wie es bei Cinderella der Fall war, aber ich freue mich über die Sonne die sich ihren Weg zwischen den Bergen und durch die leichte Wolkendecke bahnt. Das ist am Frühling das mit Abstand schönste: Die Sonne zeigt noch nicht ihre volle Stärke , wärmt aber meine Seele und mein Gemüt. 
 
Ich ziehe meine Schuhe an und gehe die kurze Straße durchs Dorf, am Bäcker vorbei und mit meinem noch warmen Brötchen begebe ich mich hinaus auf eine kurze Reise durch die Natur. 


Meine Reise führt mich den kleinen Weg ein Stück den Berg hinauf. Er mündet in eine Wiese, die so wild ist, wie die Natur sie eben zeichnet. Das Gras ist nicht geschnitten sondern kann wild wuchern. Die Wildblumen beugen sich mit ihm gemeinsam in der leichten Brise, die der Himmel über das Land schickt.
Ich hebe meinen Kopf und genieße. Genieße die frische Luft, die nach Frühling duftet. Genieße die Wärme der Sonne auf meiner Haut, während die Wildblumenwiese mir ein sanftes Lied im Kopf erklingen lässt.
 

Dieses Gefühl… Ich kenne dich. Ich weiß genau wer du bist. Freiheit. 
Diese Art von Freiheit, die nur Unberührtheit und Grenzenlosigkeit schaffen kann. Eine Freiheit, die nur die Natur in mir wecken kann. Echte Natur. Ich atme tief ein und inhaliere dieses Gefühl, als würde ich es in ein Marmeladeglas packen, dicht verschließen mit dem Wissen, es jederzeit wieder öffnen zu können, wenn ich das Gefühl mal wieder atmen möchte.
 

Ein Gedanke flattert mir in den Sinn. Es ist kein klarer Gedanke. Eher ein Nebel. Wie eine der Schleierwolken am Himmel. Grenzenlos. Möglichkeit. Freiheit. Natur. Heimat.
 

Mein Blick wandert noch einmal über die Wiese. Ich fokussiere die einzelnen Blumen, die alle unterschiedlich und einzigartig sind. Und das obwohl es die selbe Art ist. Es ist fast als würden sie im Wind miteinander tanzen. Die Berge in der Fern


Es ist wirklich eine Reise. Die Natur kann einem an dem absolut selben Ort endlos viele Varianten und Gefühle bringen. Es braucht dafür kaum mehr als Wetter, Jahreszeit, Uhrzeit und offene Augen und Ohren.
Die Brise hat einige Wolken über das Land gebracht und die Sonne teilt die Aussicht.
 
Ich bin dem Weg gefolgt. Durch das Dorf. Über die Wiese. Den Berg hinauf. ‚
Das Gras ist grün. Hier und da kann man noch Schnee erahnen. Der Teil der von der Sonne gekitzelt wird ist Frühling pur. Ja.. pur. Echt. Wirklich und wahrhaftig echt. Wovon kann ich das sagen, wenn nicht von der Natur. Die andere Seite liegt im Schatten und wirkt mystisch. Ich würde gerne in den kleinen Wald gehen und schauen was sich dort wohl verbirgt. 

 
Meine Gedanken fliegen. Als wären sie ein Vogel, der alles etwas weiter sehen kann als ich. Ich könnte mir gerade doch wirklich vorstellen Rotkäppchen in diesem Wald anzutreffen, oder wenigstens den Wolf. Vielleicht finde ich aber auch Bambi, Klopfer oder Cap und Capper. 
Ich genieße die Gedanken und fühle mich behütet wie Kind, das von Fabelwesen und Märchenfiguren träumt, mit denen es sich gerne anfreunden würde.
 
Als ich um die Kurve gehe sehe ich eine Hütte. Klein, aus Holz, mit einem Gatter drum herum. Sie sieht gemütlich und einladend aus. Ein paar Meter vor ihr steht eine Bank. 
Ich setze mich. Verschnaufe. Atme. 
Ich blicke auf den dunklen Teil des Berges. Hinein in meinen Märchenwald. Mit einem behütetem, gemütlichem und einladendem Gefühl im Rücken. 
Ist es nicht wunderbar, wie viel Geborgenheit an einem Ort sein kann indem wir Heimat fühlen? Einem Ort , wo wir keine Grenzen kennen ? 
Die Sonne scheint mir auf den Rücken und ich verstehe sie .. Auf gehts.. In meinen Märchenwald.


Mein Märchenwald ist ganz anders als ich ihn von außen empfunden habe. Dunkelheit und Schatten sehe ich hier nicht. Die Sonne scheint durch die Bäume und ein sanfter Nebel bedeckt den Boden. Ich fühle wie unter meinen Füßen eine Mischung aus Moss und kleinen Ästen liegt und das Knacken verrät mir, dass ich damit wohl recht habe. Die Bäume wirken als wären sie uralt und ich wünsche mir sie könnten reden. Was würden sie wohl erzählen ?

Vielleicht würden sie mir erzählen, dass sie die Gedanken der Menschen hören können. Dass sie mit uns mitfühlen, wenn wir zu ihnen kommen und suchen, was auch immer wir suchen. Antworten? Die richtigen Fragen? Ruhe? Geborgenheit? Kraft? 
All das, und ja das spüre ich im Herzen, könnte man hier wohl finden. Aber was finde ich hier , wo ich doch gerade gar nichts suche? 

 
Ich habe den Weg verloren, denke ich. Und erst als der Gedanke da ist, verstehe ich was ich hier spüre. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wir immer einen Weg haben, oder einen suchen, sodass es für mich gerade beinahe eine Undankbarkeit ist ohne Weg, Pfad oder sonstiges durch diesen Wald zu schlendern. Ich führe mich aber geführt. Diese Bäume, was auch immer sie hören oder fühlen, zeigen mir auf magische Weise meinen Weg.
 
Ich fühle mich in Wäldern immer so… so… frei und vertraut. Ich liebe es die Baumkronen dabei zu beobachten, wie sie ihre Äste zusammenführen bei dem Wind. Wie ihre Blätter Schattenspiele zeigen. Wie sie Tiere bei sich aufnehmen. 
Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ich habe dieses Sprichwort immer als negativ empfunden und vielleicht ist es auch so gemeint. Ich bin froh gerade die Bäume zu sehen und nicht nur einen Zusammenschnitt des Ganzen. Ich bin dankbar für die Bäume und ihre eigene Geschichte und all den Geschichten, die ich und die Menschen vor mir ihnen erzählt haben.
 
Ein Weg.. aus dem Wald. Doch bevor ich weitergehe, drehe ich mich um und genieße es noch einmal den Wald voller laut und glücklich lächelnder Bäume nicht zu sehen.


Dorf. Wiese. Hütte. Wald. Heimat. Geplant war eine kurze Reise durch die Natur. Durch meine Heimat. Doch was ich heute erlebe ist für mich kaum in Worte zu fassen.
Ich frage mich ob das alles wahr sein kann. Und ob es eine Rolle spielen würde, wäre es das nicht. Nahezu unberührte Natur. Kleine Wege und Pfade. Kaum menschlicher Einfluss. 
Freiheit. Da ist es wieder. Dieses Gefühl. Diese grenzenlose und echte Freiheit. Ich bleibe stehen. 
Ist das das Rezept zum Freisein? Ist das das Rezept für Glück und Leben? Und wenn ja : Was bedeutet das für mich?

Der Gedanke fühlt sich schwer an. Und ich wünsche mir die Brise zurück, die mir zwischen den Gräsern und Wildblumen um die Nase wehte. Vielleicht wäre diese Brise in der Lage diesen Gedanken fortzutragen. Denn er macht mir Sorge. Menschen mischen sich ein. Menschen formen Wege. Menschen machen aber auch kaputt. „Zerstören“, ruft mein Kopf.
 
Ja, aber. 

 
Die Brise kommt nicht. Doch dafür kommt, als ich weitergehe, ein Gatter. Ich lehne mich an, lege meinen Rucksack ab und merke, dass ich den Gedanken offenbar dort hinein gepackt habe. Ich schiebe ihn ein das Extrafach, nehme mein Wasser und meinen Apfel und schaue hinaus in die Ferne. Ich kann den Wald sehen, und die Vögel singen so fröhlich, dass der Apfel viel süßer schmeckt. Die Kleinigkeiten sind oft das was den großen Unterschied macht. 
Der Gedanke.. Ist das auch nur eine Kleinigkeit? Kann ich das überhaupt noch unterschieden? 

 
Ich packe das Wasser zurück in meinen Rucksack und halte inne. Ich schaue hoch und sehe ein zweites Gatter hinter dem, welches mir gerade Halt gegeben hat, während ich Pause machte. 
Die Sonne scheint auf die Wiese, die Luft ist kühl und klar und ich spüre wie ich ein Stück mehr ich selbst bin. Mit jedem Atemzug hier draußen. Ich nehme den Gedanken aus dem Extrafach, was ich immer vergesse auszuräumen und lege ihn neben die Wasserflasche. Ich behalte ihn im Auge. Er ist wichtig. 
Ich stehe auf und öffne das Gatter. 
Da ist sie ja wieder ….. die Brise.


Ich weiß nicht wie ich beschreiben soll was ich sehe.
Ich sehe Felder, Wiesen, eine Straße, einige Bäume in der Ferne und den Himmel, der von Sonnenstrahlen durchflutet wird. Er ist blau und rosa und orange. Er leuchtet beinahe so, als würde die Natur angeben wollen mit allem was sie hat. Dabei müsste sie das gar nicht. Sie ist das mit Abstand beeindruckendste was ich kenne. 

 
Heimat. Da ist sie wieder. Ich sehe mein Dorf noch nicht. Aber das muss ich auch nicht. Heimat ist mein Gefühl. Ich fühle mich so wohl. Spüre so viel Weite. Fühle mich leicht und frei. 
Ich habe mich schon oft gefragt wie Worte entstehen und bin immer wieder neu davon fasziniert, dass es für manche Dinge mehr als ein Wort gibt. 
Ich könnte Freiheit, Liebe, Geborgenheit, Fürsorge, Hoffnung, Zuversicht, Echtheit,Vertrauen, Kraft, Ehrlichkeit und Sehnsucht alles in einem einzige starken Wort zusammenfassen: Heimat.

 
Spürst du wie die Sonne deine Nase kitzelt ?
Spürst du wie mit jedem Atemzug deine Seele ruhiger wird ?
Spürst du wie Natur und du eins seid ?
Ja. Ich glaube wir alle kennen dieses Gefühl. Und die nächste Redewendung, die ich noch aus der Kindheit kenne kommt mir in den Kopf. 
„Vielleicht musst du einfach mal raus und frische Luft schnappen.“ 
Die frische Luft, die bekanntlich alles heilt. Wieso schenke ich ihr viel zu selten meine volle und ungeteilte Aufmerksamkeit? Wieso genieße ich die Stille in der Natur und das was sie mir gibt so selten vollkommen? Die Natur ist dazu bereit. Sie zeigt es mir. Jetzt gerade nehme ich es wahr. 

 
Ich atme ein letztes mal tief ein und versuche alles an Farben, Lichtern und Ausblick einzusaugen. 
Es wird Zeit zum Ende meiner Reise zu kommen.


Mein Gott, was eine Reise. Ich weiß, es war nur ein einziger Tag und nicht mal ein ganzer. Aber es war zeitlos. Im Wortsinn. Ich weiß nicht wie lange ich wo gewesen bin und das ist auch unwichtig. Jeder Ort hat mich für seine Zeit bei sich behalten. Ich habe diese Reise meinem Gefühl nach gerade das erste mal gemacht, obwohl ich diesen Weg schon oft gegangen bin, die Luft schon oft geatmet habe. Ich kann mein Dorf sehen, von dem letzten Hügel des Berges hinunter.
Es liegt dort friedlich und geborgen. Die Berge geben ihm eine Sicherheit und bilden einen Schutzmantel, der zwar nicht sichtbar, aber umso deutlicher spürbar ist. Die Sonne senkt sich langsam in ihre Richtung und ich weiß gar nicht wie ich ihr danken kann. Sie hat mich heute begleitet. Sie hat mir die Möglichkeit gegeben Dinge mit einem anderen Auge zu sehen. Innerlich verbeuge ich mich vor ihr. Vor ihrer Kraft. Ihrer Magie und ihrer Wärme. 

 
Auch die Brise weht beharrlich sanft um meine Nase, zieht mich in Richtung Zuhause und ich genieße sie als stillen Begleiter. 
Der Weg bergab lässt meinen Gang federn und macht mir noch eine Freude, den Sonnenuntergang genießend Heimat mit all ihrer Freiheit und Leichtigkeit zu spüren. 

 
Als ich fast am Ende des Berges angekommen bin, sehe ich auf einem angebrochenem Holzstamm ein kleines Eichhörnchen sitzen. Ich erstarre sofort. Ich möchte es nicht erschrecken. Ich atme ruhig und beobachte wie die Härchen am den kleinen Ohren zucken, sich die kleine Nase bewegt und ich stelle mir vor, dass dieser kleine Freund gerade genau das selbe denkt wie ich: „Glück, Glück, Glück, Glück, Glück.“ In meiner Heimat bringt es Glück, wenn man ein Eichhörnchen sieht. Nicht einmal unbedingt sich selbst, sondern viel mehr allen und jedem an die man in dem Moment denkt. Ich denke an meine lieben Menschen, meine wunderbare Familie, meine tolle Hündin, aber ich denke auch an den Weg, den ich heute gegangen bin. Ich denke an die Natur und an die Brise. 
Das Eichhörnchen stellt sich auf, hüpft elegant auf den nächsten Baum und schon ist es mit seinem Puschelschwanz verschwunden.
 
Ich bin dankbar. Für die Natur. Ich bin dankbar für unseren unglaublichen Planeten, der mehr ist als ein Wunder. 
Ich bin dankbar für mein Glück Heimat zu leben.


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